Pressekonferenz zur Vorstellung des Positionspapiers "HIV/AIDS und Frauen
- Herausforderungen für die Entwicklungspolitik"
zum Anlass der XVIII
Internationalen AIDS Konferenz in Wien
Als mit Mitglied des
entwicklungspolitischen Frauennetzwerks WIDE (Women in Development Europe
www.wide-netzwerk.at) beteiligte sich die ÖGF an der Ausarbeitung eines Positionspapiers
für die XVIII Internationale AIDS Konferenz. Das alle zwei Jahre stattfindende
Großereignis wird/wurde heuer am Wiener Messegelände mit dem Motto "Rights Here
– Right Now" abgehalten. Die Gewährleistung der Menschenrechte ist für die
Bekämpfung des HI-Virus und der Eindämmung der sozialen und ökonomischen
Diskriminierung der Betroffenen unerlässlich.
Der Anteil an weiblichen HIV Infizierten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt heute weltweit bei etwa 50%. Das hohe Infektionsrisiko von Frauen hängt sowohl in den Ländern des Südens als auch in Österreich vorwiegend mit deren sozioökonomischen Diskriminierung und der nicht gewährleisteten Erfüllung der sexuellen und reproduktiven Rechte zusammen. WIDE fordert die österreichische Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft auf, im Kampf gegen HIV/AIDS gezielte Maßnahmen zur Verwirklichung der sexuellen und reproduktiven Rechte umzusetzen.
Herausforderungen für die Entwicklungspolitik
Die meisten HIV-positiven
Menschen leben im südlichen Afrika, wo der Frauenanteil mit 60% am höchsten ist.
"In den besonders betroffenen Ländern muss der Zugang von Frauen zu Bildung und
zum Arbeitsmarkt verbessert werden. Frauen brauchen einen besseren Zugang zum
Gesundheitssystem, dazu zählen auch mobile, niederschwellige Dienste in
ländlichen Regionen", so Lisa Sterzinger von World Vision.
Der Zugang zu medizinischer Behandlung, welche HIV/AIDS von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit macht, ist trotz beachtlicher Fortschritte für etwa zwei Drittel aller Betroffenen in den ärmeren Ländern noch immer nicht gegeben. Angekündigte Sparmaßnahmen bei der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) werden sich negativ auf das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele auswirken, welche unter anderem die Reduzierung der Müttersterblichkeit und die Bekämpfung von HIV/AIDS vorsehen. WIDE fordert die österreichische Bundesregierung auf, den Sparstift nicht bei den ohnehin zu niedrigen Mitteln für EZA anzusetzen: Vom international vereinbarten Ziel, bis 2015 0,7% des BNE für EZA aufzuwenden, ist Österreich mit aktuell 0,3% noch weit entfernt.
Sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit: Reproduktive Gesundheit bezeichnet den Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Schwäche in allen Belangen des reproduktiven Systems. Menschen sind in der Lage, ein befriedigendes und sicheres Sexualleben zu führen, sie haben die Möglichkeit, sich fortzupflanzen und die Freiheit zu entscheiden, ob, wann und wie oft sie dies tun. Männer und Frauen haben das Recht über Verhütungsmethoden informiert zu werden und Zugang zu sicheren, effektiven, leistbaren und legalen Verhütungsmittel ihrer Wahl zu haben. Ebenso haben Frauen das Recht auf Gesundheitsfürsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt.
Unter reproduktiver Gesundheitsfürsorge versteht man die Zusammensetzung der Methoden, Techniken und Services, die zu reproduktiver Gesundheit und Wohlbefinden beitragen, indem sie Gesundheitsprobleme auf diesem Gebiet verhindern oder lösen.
Dies impliziert, dass Frauen und Männer das Recht haben, ohne Diskriminierung, Zwang und Gewalt über ihre eigene Reproduktion zu entscheiden, sowie universellen Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge, Einrichtungen der Familienplanung, sicherer Mutterschaft, Behandlung und Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten inklusive HIV/AIDS und Schutz vor Gewalt zu haben.
Sexuelle und reproduktive Rechte sind eine wichtige Voraussetzung für Entwicklung, aber auch in Ländern wie Österreich von großer Bedeutung. Vor allem präventive Maßnahmen, wie Sexualaufklärung, Informationen über Verhütungsmethoden und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten sind unerlässlich, um Probleme wie die HIV/AIDS Epidemie oder unsichere Schwangerschaftsabbrüche von vorn herein zu vermeiden.
In der EZA kann an erfolgreiche Programme angeknüpft werden, die zur Stärkung der politischen, ökonomischen sowie sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen beitragen. Zugleich müssen Maßnahmen zum Aufbau von Sozialversicherungssystemen und verbessertem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen unterstützt werden. WIDE fordert eine bessere Verschränkung von HIV/AIDS-Programmen mit Einrichtungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, um etwa die Mutter-Kind-Übertragung durch Aufklärung und medizinische Behandlung zu verhindern.
Sexarbeiterinnen in Österreich
"Stigmatisierung, restriktive Gesetze, Diskriminierung und sozialer Ausschluss
verursachen eine unsichere und prekäre Situation, die die rechtliche und
sozioökonomische Lage von (migrantischen) SexarbeiterInnen beeinträchtigt und
ihren Zugang zu Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, zu HIV-Prävention und
Behandlung einschränkt", kritisierte Faika El-Nagashi von der
Migrantinnenselbstorganisation LEFÖ.
Rechte hier und jetzt!
In
Österreich ist AIDS auch 2010 noch ein Tabuthema, über das nur "hinter
vorgehaltener Hand" gesprochen wird, meinte Wiltrut Stefanek vom
Selbsthilfeverein PULSHIV. "Ein sichtbares Leben mit HIV ist auch heute nicht
möglich. Diskriminierung und Stigmatisierung finden nach wie vor im Alltag
statt.", so Stefanek.
Um das breite Spektrum an Menschenrechtsverletzungen und den Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung HIV-positiver Menschen und ihrer Angehörigen wird es auf der diesjährigen Weltaidskonferenz stark gehen, wie an ihrem Motto erkennbar ist: "Rights here - right now!"
WIDE-Positionspapier: "HIV/AIDS und Frauen - Herausforderungen für die Entwicklungspolitik"
Rückfragen an: n.plhak@oegf.at oder WIDE-Netzwerk: office@wide-netzwerk.at
"Wir wollen
den Muttertag zum Anlass nehmen, um die Mutternacht auch in Österreich einzuführen.
Wir wollen in der Nacht vor dem Muttertag jener Frauen gedenken, die tagtäglich
wegen Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sterben", so die SPÖ-Bereichssprecherin
für Globale Entwicklung Petra Bayr am Montag, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit Peter Muchitsch von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung. Bayr
drängte auch darauf, verstärkt an der Erreichung der UN-Millenniumsziele zu arbeiten.
Diese beinhalten unter anderem die Reduktion der Müttersterblichkeit um 75 Prozent
sowie die Gewährleistung reproduktiver Gesundheitsvorsorge für alle.
Als besonders geeignet für die Erreichung dieser Ziele erachtet Bayr den Zugang zu Familienplanung: "Die Müttersterblichkeit kann so um 25 Prozent, die Kindersterblichkeit um 20 Prozent verringert werden". Für sie ist rasches Handeln angebracht: "Tagtäglich sterben 1.500 Frauen wegen Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, 99 Prozent davon in Entwicklungsländern". Diese tragischen Zahlen finden in der europäischen Öffentlichkeit jedoch kaum Aufmerksamkeit. Bei der Pressekonferenz wurde auch Österreichs Rolle im Kampf für mehr Müttergesundheit durch eine verlässliche und ausreichende Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit, die momentan nicht gewährleistet ist, betont.
Peter Muchitsch von der ÖGF ging der Frage nach, was Sexualpädagogik leisten
kann, um die Müttersterblichkeit zu reduzieren.
Betrachtet man internationale
Studien zum Thema Müttersterblichkeit, so findet man folgende Faktoren als Ursache:
All diese Themen sind einerseits geregelt durch Wert- und Moralvorstellungen der jeweiligen Gesellschaft, aber auch beeinflussbar durch politischen Gestaltungswillen, entsprechende mediale Aufbereitung dieser Themen und Kooperationsbereitschaft der Wirtschaft (besonders der Pharmaindustrie).
Aus Sicht der Sexualpädagogik, bzw. derer die sexualpädagogisch mit Menschen
arbeiten, bedeutet dies folgendes:
Sexualpädagogik kann sicher einen Beitrag
zum individuellen Entwicklungsprozess und Wissensstand vor allem junger Menschen
leisten. Verlauf und Ziel dieses Prozesses bleiben jedoch offen.
Hier ist die Verantwortung der oben genannten Institutionen gefragt.
Ohne
den Willen der Politik, den Zugang zu Wissen über Sexualität im Schulsystem zu verankern,
wird es keine sexuelle Aufklärung für breite Bevölkerungsschichten geben.
Ohne
den Willen der Medien, das Thema Sexualität nicht nur als Quotenbringer, sondern
auch als verantwortungsbewusste Informationsquelle für LeserInnen zu behandeln,
ist keine vernünftige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität
möglich.
Und ohne die Kooperationsbereitschaft der Industrie wird es keine leistbaren
medizinischen Ressourcen geben.
Die 2007 von mehreren Organisationen in Dänemark ins Leben gerufene Mutternacht
wird jedes Jahr im Vorfeld des Muttertags in mehreren europäischen Ländern begangen.
Für das Jahr 2011 ist in Österreich geplant, die Mutternacht gemeinsam mit mehreren
Organisationen in noch größerem Rahmen zu organisieren. Ideen und Gedanken dazu
können auf der Webseite www.petrabayr.at
eingetragen oder unter: buero@oegf.at deponiert
werden.
Mehr Informationen zu den internationalen Veranstaltungen auf
www.mothersnight.org
UNFPA:
Weltbevölkerungsbericht 2009/ Status of World Population (SWOP) 2009Der Weltbevölkerungsbericht 2009 untersucht den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel jenseits der technischen Debatte sowie der Lage der Weltbevölkerung, wobei er die Auswirkungen der Erderwärmung bis auf die individuelle Ebene veranschaulicht. Der Klimawandel bringt nicht nur Leben in Gefahr sondern er vertieft die Gräben zwischen Arm und Reich und vergrößert die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Vor allem Frauen in Entwicklungsländern sind vom Klimawandel stärker betroffen. Warum? Der Beantwortung dieser und vieler weiterer Fragen geht der SWOP 2009 nach. Er beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsdynamik, reproduktiver Gesundheit, Frauenleben und verschiedener Folgen des Klimawandels.
Zu bestellen in deutscher und englischer Sprache gegen Porto- und Versandkosten.
Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) ist mit Partnerorganisationen aus mehreren europäischen Ländern im Projekt COUNTDOWN 2015 vernetzt. Kern dieses Projektes ist eine Kampagne mit dem Ziel die staatlichen Mittel der Entwicklungszusammenarbeit (ODA) der jeweiligen Länder für reproduktive und sexuelle Gesundheit zu steigern.
Das Projekt wird von der Bill und Melinda Gates Foundation finanziert und von der International Planned Parenthood Federation (IPPF) koordiniert. Folgende Länder sind im Netzwerk vertreten: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Niederlande, Belgien, Irland, Italien, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweiz und Österreich.
Sexuelle und reproduktive Gesundheit sind unumgänglich für ein Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele. Es ist wesentlich, dass alle Menschen weltweit Zugang zu Einrichtungen, Mitteln und Medikamenten haben, die reproduktive und sexuelle Gesundheit gewährleisten. Das geht über Kondome und andere Verhütungsmittel weit hinaus. Zurzeit gibt es eine riesige Diskrepanz zwischen den finanziellen Mitteln, die zur Verfügung gestellt werden und dem weltweit ständig wachsenden Bedarf:
Nähere Infos unter:
http://www.countdown2015europe.org/
Die ÖGF nimmt am SAFE II Projekt finanziert durch u.a. IPPF-EN teil. In diesem Projekt geht es hauptsächlich um die sexuellen und reproduktiven Rechte von Jugendlichen.
Die Rechte und Schutzmaßnahmen, die Personen unter 18 Jahren gewährleistet werden, unterscheiden sich von denen Erwachsener und müssen die sich entwickelnden Fähigkeiten des einzelnen Kindes, von den eigenen Rechten Gebrauch zu machen, berücksichtigen
Sexuelle Rechte: Eine IPPF-Erklärung »