Presseaussendung

Weltbevölkerungsbericht 2011 von UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen

Sperrfrist 26. Oktober 2011, 14:00

7 Milliarden Menschen und Möglichkeiten

Wien, 26. Oktober - Kurz bevor Ende Oktober der siebenmilliardste Mensch auf die Welt kommt, präsentiert die parlamentarische Gruppe für reproduktive Gesundheit und Entwicklung gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung den neuen Weltbevölkerungsbericht von UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen.
Der Meilenstein von sieben Milliarden Menschen steht für Errungenschaften, Rückschläge und Widersprüche der Weltbevölkerung. Obwohl Frauen heute im Durchschnitt weniger Kinder bekommen als in den 1960er Jahren, steigt die Zahl der Menschen weiter an. Wir leben heute durchschnittlich länger und gesünder als je zuvor, aber nicht alle können an diesen Errungenschaften und der damit verbundenen Lebensqualität teilhaben. Zwischen den verschiedenen Ländern, aber auch innerhalb der Länder bestehen zum Teil gewaltige Unterschiede. Während Fortschritte bei der Bekämpfung der extremen Armut erzielt werden konnten, verschärft sich nahezu überall das Gefälle zwischen Arm und Reich.

Umdenken für eine positive Zukunft
Silvia Fuhrmann, die Jugend- und Kultursprecherin der ÖVP, betont den Faktor Bildung vor allem für Jugendliche in der Überwindung der Armut: "Der diesjährige Weltbevölkerungsbericht ist ein Plädoyer dafür, dass jungen Menschen auf der ganzen Welt der Zugang zu Bildung ermöglicht bzw. erleichtert werden muss. Bildung ist ein zentrales Element der Gesellschaft und gerade die Jungen sind durch gute Ausbildung in der Lage, die Gesellschaft von heute zum Umdenken zu bewegen. Umdenken in die Richtung, dass junge Frauen nicht mehr zwangsverheiratet werden, die Schule nicht wegen ungewollter Schwangerschaften abbrechen müssen und so der Blick in eine positive Zukunft gerichtet werden kann."

Ein Umdenken verlangt der Weltbevölkerungsbericht bei der Ressourcenverwendung. Exzessive Konsummuster belasten unsere Umwelt, auch über die nationalen Grenzen hinaus, und fördern den Klimawandel samt dessen schädlichen Folgen wie Naturkatastrophen. Die Entwicklungspolitische- und Frauensprecherin der Grünen, Judith Schwentner, betont die internationale Dimension nationaler Politiken: "Je mehr Menschen sich die Erde teilen müssen, desto wichtiger ist es, verantwortlich und nachhaltig mit der Umwelt umzugehen. Deswegen brauchen wir dringend eine 180-Grad-Wende in der Agrar- und Klimapolitik. Aber auch global müssen wir unseren Beitrag leisten: Für uns bedeutet das, nicht nur in Österreich sparsam mit Ressourcen wie Wasser und Energie umzugehen, sondern auch in der Entwicklungszusammenarbeit die Umwelt zu schützen und den Klimawandel zu stoppen."

Die Bildung der Menschen sowie Produktions- und Konsumstrukturen sind eng mit Armut, Fertilität und Gesundheit verflochten. Die einzelnen Faktoren können nicht isoliert voneinander betrachten werden.

Reproduktive Gesundheit als Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit
Petra Bayr, die entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ, geht auf die Interdependenzen der Faktoren ein, wobei sie besonders den Stellenwert der reproduktiven Gesundheit in der Gestaltung einer menschengerechten Zukunft betont und fehlenden politischen Willen der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit anprangert:
"Die Größe der Bevölkerung ist eine der entscheidenden Faktoren für die Zukunft unserer gemeinsamen Erde. Wie viele Menschen können auf diesem Globus menschengerecht leben, wie können sie sich ernähren, welche Ressourcen brauchen sie, wie viel Treibhausgase produzieren sie. Bevölkerungswachstum ist eine beeinflussbare Variable bei der Gestaltung der Zukunft unseres Planeten: gut ausgebildete Menschen können selbstbestimmt darüber entscheiden, wann sie wie viele Kinder bekommen, sofern sie Zugang zu modernen Verhütungsmittel haben. Mit Bildung, die über die Grundschulbildung hinaus geht - vor allem für Mädchen! - mit Frauen, die über ein eigenes Einkommen verfügen und die unabhängig Entscheidungen treffen können, mit flächendeckender Versorgung von Verhütungsmitteln und dem Zugang zu Gesundheitseinrichtungen für alle, vor allem für Frauen während der Schwangerschaft und der Geburt, ist die Herausforderung meisterbar, das Bevölkerungswachstum zu beschränken. Die Mittel und Möglichkeiten dazu sind vorhanden, das einzige, was uns noch fehlt, ist der politische Wille, sexuelle und reproduktive Gesundheit und die damit einhergehenden Rechte zu einem fixen Bestandteil unserer Entwicklungspolitik zu machen."

Sieben Milliarden Menschen mit sieben Milliarden Möglichkeiten - der aktuelle Weltbevölkerungsbericht erinnert uns, dass wir alle in wechselseitiger Verbindung und gegenseitiger Abhängigkeit stehen. Seien wir uns bewusst, dass sich das Verhalten jedes einzelnen Menschen auf unser aller Zukunft auswirkt.

Rückfragehinweis: Natalie Plhak, Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF), n.plhak@oegf.at

Weltbevölkerungsbericht 2011
Sieben Milliarden Menschen und Möglichkeiten
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State of World Population Report
People and Possibilities in a World of 7 Billion
Download Report (english) »

Die Printversion des Reports kann kostenfrei unter buero@oegf.at bestellt werden.

Mutternacht 2011 in Wien

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Pressekonferenz "10 Jahre Kampf gegen FGM in Österreich"

Bundesminister Alois Stöger, Abgeordnete Petra Bayr und ÖGF Vorstandsmitglied Beate Wimmer-Puchinger zu "10 Jahre Kampf gegen FGM in Österreich". Die Bilanz: Bisher erfolgreich, aber es gibt noch viel zu tun!

Der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung in Österreich verläuft erfolgreich, ist aber noch lange nicht zu Ende. Das sagten Gesundheitsminister Alois Stöger und die SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung, Petra Bayr, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz anlässlich "10 Jahre Kampf gegen FGM in Österreich" im Museumsquartier. Stöger, Bayr und Wimmer-Puchinger führten durch die verschiedenen Stationen und markanten Eckpunkte im Kampf gegen FGM (female genital mutilation) in Österreich.

Weltweit sind rund 155 Millionen Frauen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen verstümmelt. Genitalverstümmelung ist eine schwere Körperverletzung und Folter. Neben den gesundheitlichen Folgen werde den Frauen ein ganz wichtiges Stück ihres Lebens genommen, sie werden ihrer Sexualität beraubt, so Stöger. Am wichtigsten sei Aufklärung auf nationaler und internationaler Ebene. "Dafür brauchen wir besonders Berufsgruppen wie Ärzte und Hebammen, die Informationen weitergeben", so der Minister. Stöger dankte der Plattform www.stopfgm.net, die von Petra Bayr mitgegründet wurde, für ihre Arbeit. "FGM darf nicht toleriert werden. Es gibt keine Tradition, die diese Praxis rechtfertigen könnte", so Stöger.

Im Jahr 2011 plant Petra Bayr weiterhin Informationsvermittlung, z.B. sollen viele Betroffene über Kirchen erreicht werden. Auch ein Erfahrungsaustausch zwischen den Organisationen, die vor Ort gegen FGM kämpfen, ist geplant. "So soll ein Leitfaden für die Arbeit gegen FGM vor Ort entstehen", erklärte die SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung. International will sich Bayr dafür einsetzen, dass in Asien, wo FGM ebenfalls weit verbreitet ist, Daten erhoben werden. "Es gibt noch genug zu tun", so Bayr.

Als markante Eckpunkte des nunmehr zehnjährigen Kampfs gegen FGM in Österreich nannte Bayr etwa eine Studie aus dem Jahr 2000, die aufzeigte, dass 30 Prozent der aus Afrika stammenden in Österreich lebenden Eltern FGM bei ihren Töchtern bereits durchgeführt oder geplant hätten. Diese Studie gab den Anstoß, in diesem Bereich weiterzuarbeiten. Einige der folgenden Schritte waren Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit, die Gründung der Österreichischen Plattform "Stop FGM", Kooperationen mit Frauengesundheitsberatungsstellen, Hebammen- und Ärzteweiterbildung, Informationsveranstaltungen für Eltern, Lehrer und Kindergartenpädagogen über rechtliche Grundlagen und Handlungsoptionen u.v.m.

Prof. Beate Wimmer-Puchinger, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, engagiert sich als Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien ebenfalls besonders gegen FGM. Sie hat erreicht, dass Gesundheitspersonal und Kindergartenpädagogen in Wien flächendeckend über FGM und damit zusammenhängende rechtliche, soziale und medizinische Fragen informiert sind. 2011 sollen die SchulärztInnen in einer Fortbildung auf den aktuellen Wissensstand gebracht werden. Ziel ist natürlich, so viele betroffene Familien wie möglich, schon vor der Verstümmelung der Töchter, zu erreichen. (Schluss)

Mehr Informationen zu "10 Jahre Kampf gegen FGM in Österreich" finden
Sie unter http://www.spoe.at/bilder/d277/10_Jahre_Kampf_gegen_FGM.pdf

Rückfragehinweis: Natalie Plhak, Österreichische Gesellschaft für Familienplanung: n.plhak@oegf.at


Presseaussendung

Weltbevölkerungsbericht 2010:

Krise, Frieden, Wiederaufbau - Gesellschaften im Wandel

Wien, 20. Oktober 2010 – In bewaffneten Konflikten wird geschlechtsspezifische Gewalt einschließlich Vergewaltigung immer häufiger als Instrument der Kriegsführung eingesetzt. Diese Form der Gewalt steht im Mittelpunkt des diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsberichts „Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel“. Der Bericht fällt mit dem 10 jährigen Bestehen der UN-Resolution 1325 zusammen, welche im Jahr 2000 zum ersten Mal alle Parteien in bewaffneten Konflikten aufforderte Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt zu schützen und Frauen stärker in friedensbildende Maßnahmen einzubeziehen. Die ParlamentarierInnengruppe zu Bevölkerung und Entwicklung (Petra Bayr (SPÖ), Silvia Fuhrmann (ÖVP) und Karl Öllinger (Die Grünen)) und Natalie Plhak von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) stellten den Bericht heute vor.

Sexuelle Gewalt kann Gesellschaften destabilisieren
"Frauen, die unter Diskriminierung leiden, sind auch für die negativen Effekte von Krieg, wie sexueller Gewalt anfälliger und können sich weniger in den Wiederaufbau der Gesellschaft einbringen", erklärt Petra Bayr, Bereichssprecherin für Umwelt und gloable Entwicklung der SPÖ. Der aktuelle Weltbevölkerungsbericht macht deutlich, wie die durch Vergewaltigungen erlittene Traumata weit über das Kriegsende hinaus nachwirken und ganze Gesellschaften destabilisieren können. Um den Teufelskreis aus Krisen und Unterentwicklung durch eine Aufwärtsspirale von sozialem und wirtschaftlichem Fortschritt und Empowerment zu ersetzen, sollten Nichtregierungsorganisationen, internationale Helfer und die betroffenen Staaten selbst den gesellschaftlichen Wandel durch psychosoziale und juristische Betreuung unterstützen.

Junge Menschen: die – friedliche – Zukunft
Die Folgen der Krisensituationen auf Jugendliche sind besonders gravierend. Durch unterbrochene Schulbildung haben diese auf dem Arbeitsmarkt zerrütteter Ökonomien kaum Chancen. "Es ist besonders wichtig, dass wir jungen Menschen, und besonders Frauen, Zugang zu Bildung ermöglichen. Denn Bildung ist ein grundlegendes Bedürfnis und zentraler Pfeiler für den Wiederaufbau von Gesellschaften nach Konflikten. Die Investition in Bildung ist eine Investition in die Entwicklung einer künftigen Generation, die in der Lage sein wird eine gewaltfreie und sichere Gesellschaft aufzubauen." bekräftigt Silvia Fuhrmann, die Kultur- und Jugendsprecherin der ÖVP.

Männern helfen
Karl Öllinger wies auf die Gewaltspirale hin, in welcher sich Männer in Konfliktsituationen befänden: "Wenn Männer Opfer von Gewalt werden, geben sie diese an Frauen weiter, sodass diese wiederum an Gewalt leiden." Der Weltbevölkerungsbericht liefere Ansatzpunkte, um die Situation von tschetschenischen Flüchtlingen "nicht nur zu begreifen, sondern auch zu verändern". Österreich dürfe "nicht darauf vertrauen, dass sich die traumatisierten Männer irgendwie integrieren", sagte Öllinger: "Es bedarf mehr Ressourcen, um traumatisierte Männer zu unterstützten."

Der Bericht basiert auf Reportagen aus Ländern, in denen es Konflikte oder Naturkatastrophen gab und sich auf dem Weg der Stabilisierung befinden: Bosnien-Herzegowina, Liberia, Uganda, Osttimor, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Jordanien und Haiti.

Zugang zu reproduktiver Gesundheit: Fortschritte haben sich verlangsamt
Der Bericht führt auch die mangelnde reproduktive Gesundheitsfürsorge in Regionen an, die von bewaffneten Konflikten oder Naturkatastrophen betroffen sind und Menschen in die Flucht zwingen: Zum plötzlichen Ausfall der medizinischen Versorgung kommt häufig die Vernachlässigung der Familienplanung hinzu, die schwerwiegende Folgen, wie unsichere Schwangerschaftsabbrüche, mit sich bringen kann. Das Risiko bei der Geburt zu Sterben ist in Konfliktregionen besonders hoch: 60 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit ereignen sich in zehn Ländern, wobei sich davon neun im Konflikt befinden oder gerade im Wiederaufbau sind.

Eines der Millennium-Entwicklungsziele ist, dass jeder Mensch bis 2015 Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge hat. Der weltweite Fortschritt beim Erreichen des Ziels hat sich jedoch verlangsamt. Der Weltbevölkerungsbericht legt dar, dass der Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge häufig mit dem Niveau des sozialen und ökonomischen Status der Frauen zusammenhängt: Frauen mit niedrigem Bildungsstand und aus ländlichen Regionen haben schlechteren Zugang zu Verhütungsmitteln und werden häufiger schon im Teenageralter schwanger.

Gleichberechtigung von Frauen entscheidend
"Mädchen und Frauen dürfen nicht weiter diskriminiert werden" fordert Petra Bayr. "Staaten sollten Konfliktsituationen nutzen, um Gesellschaften nach Krisen nicht nur wiederaufzubauen, sondern ihre Länder neu und besser zu gestalten: mit Frauen und Männern, die gleiche Rechte und Chancen haben und so ein stabiles Fundament für nachhaltige Entwicklung bilden." verdeutlicht Bayr.

Weltbevölkerungsbericht 2010
Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel
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State of World Population 2010
From conflict and crisis to renewal: generations of change
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Rückragen: Natalie Plhak: n.plhak@oegf.at, Österreichische Gesellschaft für Familienplanung, www.oegf.at


XVIII Internationale Aids Konferenz 18.-23. Juli 2010 in Wien

Pressekonferenz zur Vorstellung des Positionspapiers "HIV/AIDS und Frauen - Herausforderungen für die Entwicklungspolitik"
zum Anlass der XVIII Internationalen AIDS Konferenz in Wien

Als mit Mitglied des entwicklungspolitischen Frauennetzwerks WIDE (Women in Development Europe www.wide-netzwerk.at) beteiligte sich die ÖGF an der Ausarbeitung eines Positionspapiers für die XVIII Internationale AIDS Konferenz. Das alle zwei Jahre stattfindende Großereignis wurde heuer am Wiener Messegelände mit dem Motto "Rights Here – Right Now" abgehalten. Die Gewährleistung der Menschenrechte ist für die Bekämpfung des HI-Virus und der Eindämmung der sozialen und ökonomischen Diskriminierung der Betroffenen unerlässlich.

Der Anteil an weiblichen HIV Infizierten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt heute weltweit bei etwa 50%. Das hohe Infektionsrisiko von Frauen hängt sowohl in den Ländern des Südens als auch in Österreich vorwiegend mit deren sozioökonomischen Diskriminierung und der nicht gewährleisteten Erfüllung der sexuellen und reproduktiven Rechte zusammen. WIDE fordert die österreichische Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft auf, im Kampf gegen HIV/AIDS gezielte Maßnahmen zur Verwirklichung der sexuellen und reproduktiven Rechte umzusetzen.

Herausforderungen für die Entwicklungspolitik
Die meisten HIV-positiven Menschen leben im südlichen Afrika, wo der Frauenanteil mit 60% am höchsten ist. "In den besonders betroffenen Ländern muss der Zugang von Frauen zu Bildung und zum Arbeitsmarkt verbessert werden. Frauen brauchen einen besseren Zugang zum Gesundheitssystem, dazu zählen auch mobile, niederschwellige Dienste in ländlichen Regionen", so Lisa Sterzinger von World Vision.

Der Zugang zu medizinischer Behandlung, welche HIV/AIDS von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit macht, ist trotz beachtlicher Fortschritte für etwa zwei Drittel aller Betroffenen in den ärmeren Ländern noch immer nicht gegeben. Angekündigte Sparmaßnahmen bei der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) werden sich negativ auf das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele auswirken, welche unter anderem die Reduzierung der Müttersterblichkeit und die Bekämpfung von HIV/AIDS vorsehen. WIDE fordert die österreichische Bundesregierung auf, den Sparstift nicht bei den ohnehin zu niedrigen Mitteln für EZA anzusetzen: Vom international vereinbarten Ziel, bis 2015 0,7% des BNE für EZA aufzuwenden, ist Österreich mit aktuell 0,3% noch weit entfernt.

Sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit: Reproduktive Gesundheit bezeichnet den Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Schwäche in allen Belangen des reproduktiven Systems. Menschen sind in der Lage, ein befriedigendes und sicheres Sexualleben zu führen, sie haben die Möglichkeit, sich fortzupflanzen und die Freiheit zu entscheiden, ob, wann und wie oft sie dies tun. Männer und Frauen haben das Recht über Verhütungsmethoden informiert zu werden und Zugang zu sicheren, effektiven, leistbaren und legalen Verhütungsmittel ihrer Wahl zu haben. Ebenso haben Frauen das Recht auf Gesundheitsfürsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt.

Unter reproduktiver Gesundheitsfürsorge versteht man die Zusammensetzung der Methoden, Techniken und Services, die zu reproduktiver Gesundheit und Wohlbefinden beitragen, indem sie Gesundheitsprobleme auf diesem Gebiet verhindern oder lösen.

Dies impliziert, dass Frauen und Männer das Recht haben, ohne Diskriminierung, Zwang und Gewalt über ihre eigene Reproduktion zu entscheiden, sowie universellen Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge, Einrichtungen der Familienplanung, sicherer Mutterschaft, Behandlung und Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten inklusive HIV/AIDS und Schutz vor Gewalt zu haben.

Sexuelle und reproduktive Rechte sind eine wichtige Voraussetzung für Entwicklung, aber auch in Ländern wie Österreich von großer Bedeutung. Vor allem präventive Maßnahmen, wie Sexualaufklärung, Informationen über Verhütungsmethoden und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten sind unerlässlich, um Probleme wie die HIV/AIDS Epidemie oder unsichere Schwangerschaftsabbrüche von vorn herein zu vermeiden.

In der EZA kann an erfolgreiche Programme angeknüpft werden, die zur Stärkung der politischen, ökonomischen sowie sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen beitragen. Zugleich müssen Maßnahmen zum Aufbau von Sozialversicherungssystemen und verbessertem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen unterstützt werden. WIDE fordert eine bessere Verschränkung von HIV/AIDS-Programmen mit Einrichtungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, um etwa die Mutter-Kind-Übertragung durch Aufklärung und medizinische Behandlung zu verhindern.

Sexarbeiterinnen in Österreich
"Stigmatisierung, restriktive Gesetze, Diskriminierung und sozialer Ausschluss verursachen eine unsichere und prekäre Situation, die die rechtliche und sozioökonomische Lage von (migrantischen) SexarbeiterInnen beeinträchtigt und ihren Zugang zu Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, zu HIV-Prävention und Behandlung einschränkt", kritisierte Faika El-Nagashi von der Migrantinnenselbstorganisation LEFÖ.

Rechte hier und jetzt!
In Österreich ist AIDS auch 2010 noch ein Tabuthema, über das nur "hinter vorgehaltener Hand" gesprochen wird, meinte Wiltrut Stefanek vom Selbsthilfeverein PULSHIV. "Ein sichtbares Leben mit HIV ist auch heute nicht möglich. Diskriminierung und Stigmatisierung finden nach wie vor im Alltag statt.", so Stefanek.

Um das breite Spektrum an Menschenrechtsverletzungen und den Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung HIV-positiver Menschen und ihrer Angehörigen wird es auf der diesjährigen Weltaidskonferenz stark gehen, wie an ihrem Motto erkennbar ist: "Rights here - right now!"

WIDE-Positionspapier: "HIV/AIDS und Frauen - Herausforderungen für die Entwicklungspolitik" »

Rückfragen an: n.plhak@oegf.at oder WIDE-Netzwerk: office@wide-netzwerk.at


Mutternacht 2010  Logo mothersnight

"Wir wollen den Muttertag zum Anlass nehmen, um die Mutternacht auch in Österreich einzuführen. Wir wollen in der Nacht vor dem Muttertag jener Frauen gedenken, die tagtäglich wegen Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sterben", so die SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung Petra Bayr am Montag, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Muchitsch von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung. Bayr drängte auch darauf, verstärkt an der Erreichung der UN-Millenniumsziele zu arbeiten. Diese beinhalten unter anderem die Reduktion der Müttersterblichkeit um 75 Prozent sowie die Gewährleistung reproduktiver Gesundheitsvorsorge für alle.

Als besonders geeignet für die Erreichung dieser Ziele erachtet Bayr den Zugang zu Familienplanung: "Die Müttersterblichkeit kann so um 25 Prozent, die Kindersterblichkeit um 20 Prozent verringert werden". Für sie ist rasches Handeln angebracht: "Tagtäglich sterben 1.500 Frauen wegen Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, 99 Prozent davon in Entwicklungsländern". Diese tragischen Zahlen finden in der europäischen Öffentlichkeit jedoch kaum Aufmerksamkeit. Bei der Pressekonferenz wurde auch Österreichs Rolle im Kampf für mehr Müttergesundheit durch eine verlässliche und ausreichende Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit, die momentan nicht gewährleistet ist, betont.

Peter Muchitsch von der ÖGF ging der Frage nach, was Sexualpädagogik leisten kann, um die Müttersterblichkeit zu reduzieren.
Betrachtet man internationale Studien zum Thema Müttersterblichkeit, so findet man folgende Faktoren als Ursache:

All diese Themen sind einerseits geregelt durch Wert- und Moralvorstellungen der jeweiligen Gesellschaft, aber auch beeinflussbar durch politischen Gestaltungswillen, entsprechende mediale Aufbereitung dieser Themen und Kooperationsbereitschaft der Wirtschaft (besonders der Pharmaindustrie).

Aus Sicht der Sexualpädagogik, bzw. derer die sexualpädagogisch mit Menschen arbeiten, bedeutet dies folgendes:
Sexualpädagogik kann sicher einen Beitrag zum individuellen Entwicklungsprozess und Wissensstand vor allem junger Menschen leisten. Verlauf und Ziel dieses Prozesses bleiben jedoch offen.

Hier ist die Verantwortung der oben genannten Institutionen gefragt.
Ohne den Willen der Politik, den Zugang zu Wissen über Sexualität im Schulsystem zu verankern, wird es keine sexuelle Aufklärung für breite Bevölkerungsschichten geben.
Ohne den Willen der Medien, das Thema Sexualität nicht nur als Quotenbringer, sondern auch als verantwortungsbewusste Informationsquelle für LeserInnen zu behandeln, ist keine vernünftige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität möglich.
Und ohne die Kooperationsbereitschaft der Industrie wird es keine leistbaren medizinischen Ressourcen geben.

Die 2007 von mehreren Organisationen in Dänemark ins Leben gerufene Mutternacht wird jedes Jahr im Vorfeld des Muttertags in mehreren europäischen Ländern begangen. Für das Jahr 2011 ist in Österreich geplant, die Mutternacht gemeinsam mit mehreren Organisationen in noch größerem Rahmen zu organisieren. Ideen und Gedanken dazu können auf der Webseite www.petrabayr.at eingetragen oder unter: buero@oegf.at deponiert werden.
Mehr Informationen zu den internationalen Veranstaltungen auf www.mothersnight.org


UNFPA: Weltbevölkerungsbericht 2009/ Status of World Population (SWOP) 2009

Der Weltbevölkerungsbericht 2009 untersucht den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel jenseits der technischen Debatte sowie der Lage der Weltbevölkerung, wobei er die Auswirkungen der Erderwärmung bis auf die individuelle Ebene veranschaulicht. Der Klimawandel bringt nicht nur Leben in Gefahr sondern er vertieft die Gräben zwischen Arm und Reich und vergrößert die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Vor allem Frauen in Entwicklungsländern sind vom Klimawandel stärker betroffen. Warum? Der Beantwortung dieser und vieler weiterer Fragen geht der SWOP 2009 nach. Er beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsdynamik, reproduktiver Gesundheit, Frauenleben und verschiedener Folgen des Klimawandels.

Zu bestellen in deutscher und englischer Sprache gegen Porto- und Versandkosten.


COUNTDOWN 2015

Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) ist mit Partnerorganisationen aus mehreren europäischen Ländern im Projekt COUNTDOWN 2015 vernetzt. Kern dieses Projektes ist eine Kampagne mit dem Ziel die staatlichen Mittel der Entwicklungszusammenarbeit (ODA) der jeweiligen Länder für reproduktive und sexuelle Gesundheit zu steigern.

Das Projekt wird von der Bill und Melinda Gates Foundation finanziert und von der International Planned Parenthood Federation (IPPF) koordiniert. Folgende Länder sind im Netzwerk vertreten: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Niederlande, Belgien, Irland, Italien, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweiz und Österreich.

Sexuelle und reproduktive Gesundheit sind unumgänglich für ein Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele. Es ist wesentlich, dass alle Menschen weltweit Zugang zu Einrichtungen, Mitteln und Medikamenten haben, die reproduktive und sexuelle Gesundheit gewährleisten. Das geht über Kondome und andere Verhütungsmittel weit hinaus. Zurzeit gibt es eine riesige Diskrepanz zwischen den finanziellen Mitteln, die zur Verfügung gestellt werden und dem weltweit ständig wachsenden Bedarf:

Nähere Infos unter:

http://www.countdown2015europe.org/

http://www.ippf.org/


SAFE II

Die ÖGF nimmt am SAFE II Projekt finanziert durch u.a. IPPF-EN teil. In diesem Projekt geht es hauptsächlich um die sexuellen und reproduktiven Rechte von Jugendlichen.

Die Rechte und Schutzmaßnahmen, die Personen unter 18 Jahren gewährleistet werden, unterscheiden sich von denen Erwachsener und müssen die sich entwickelnden Fähigkeiten des einzelnen Kindes, von den eigenen Rechten Gebrauch zu machen, berücksichtigen

http://www.ysafe.net/safe

siehe IPPF Sexuelle Rechte »


IPPF (International Planned Parenthood Federation)

Sexuelle Rechte: Eine IPPF-Erklärung »

Sexuelle Rechte »